ZAP – die historische Titelsammler der GTC

ZAP – die historische Titelsammler der GTC

November 27, 2025 Aus Von Frank Jelinski

Selbst in der 28 Auflage der Kart Langstreckenserie GTC gab es mal wieder etwas, was die Szene bisher noch nicht erlebt hatte. In den neun Langstreckenrennen, aufgeteilt auf sechs Veranstaltungen, waren die erfahrenen Mannschaften erneut die großen Favoriten auf den Titel. Angefangen beim Titelverteidiger Honda Spirit, die in Oppenrod ihren 200 GTC Einsatz bestritten, ATW Racing, die nur unwesentlich weniger Rennen auf dem Buckel haben oder der MSC Oberflockenbach mit deutlich mehr als 100 Langstreckenrennen. Keine Frage, Erfahrung ist das A und O in der Langstreckenszene.

Und so begann die Saison in Belleben auch mit einem Sieg für den amtierenden Meister von Honda Spirit. Das Honda Spirit nach den drei ersten Rennen in Belleben schon mit über 21 Punkten Vorsprung auf ZAP #153 führte, lag auch an den Problemen der Mitfavoriten. ATW strauchelte im letzten Lauf, der MSC Oberflockenbach leistete sich einen Ausrutscher im Rennen 2. Alle anderen brachten es auch nicht fertig alle drei Rennen in den Top-5 zu beenden. So ging es zur zweiten Runde dem 12h Rennen von Wittgenborn.

Und hier schlug das Pendel in die andere Richtung. Der MSC Oberflockenbach gewann das Rennen vor ARM Motorsport und ATW Racing, während Honda Spirit und ZAP #153 taumelten. Der MSC Oberflockenbach übernahm die Tabellenführung während Honda Spirit auf Rang 3 und ZAP sogar auf Rang 8 abstürzten.

Beim Saisonhighlight, dem Bavarian 24h in Wackersdorf wurden die Karten neu gemischt. ZAP Teamchef Carsten Pilger setzte nun neue Maßstäbe. Die ganze Saison über ließ er seine Truppe trainieren bis der Sitz brach. Während die meisten Konkurrenten am Speed feilten und mühevoll hundertstel Sekunden suchten, analysierte Carsten schon früh: Aus der Strecke können wir uns keinen Vorteil herausarbeiten, das Feld ist zu ausgeglichen. Wir sind vom Speed dabei und das muss reichen. In der Box aber können wir Sekunden finden. Und so ließ er seine Mannschaft bei jedem Rennen bis tief in die Nacht Tankstopps und Fahrerwechsel trainieren. Dabei ging sogar ein Sitz zu Bruch. Wie kaum ein anderer Teamchef hatte er dabei seine Fahrer im Griff. Klare Ansage: „Keine unnötigen Zeitstrafen und keine Ego-Tripps, es wird gemacht was ich sage“

Das harte  Training sollte sich beim Klassiker auszahlen. Wie ein Uhrwerk spulte die #153 ihre Runden ab. In der Box glänzte man mit den schnellsten Tankstopps und Fahrerwechseln. Zeitstrafen? Fehlanzeige. Lediglich die Reifenwechsel schaffte Honda Spirit noch etwas schneller als die ZAP Mannschaft. Und so wurde es ein spannender Fight zwischen diesen beiden Mannschaften um den Prestigeträchtigen Sieg in Wackersdorf. ZAP #153 schaffte dann etwas, was zuletzt 2016 Oberheiden Motorsport gelang. Ein Sieg beim Bavarian 24h bereits im vierten Anlauf. Honda Spirit wurde mit 53 Sekunden Rückstand zweiter, übernahm aber wieder die Tabellenführung, da der MSC Oberflockenbach mit P9 weit hinter den eigenen Ansprüchen ins Ziel kam.

Tja, und damit begann die eigentliche ZAP-Show. In den folgenden Rennen in Cheb (12h) und Oppenrod (7h und 5h) platzierte sich ZAP #153 jeweils vor Honda Spirit und ging mit 4 Punkten Vorsprung auf Honda Spirit als neuer Tabellenführer nach Liedolsheim. Der MSC Oberflockenbach gewann beide Rennen in Oppenrod hatte aber mit P10 in Cheb nach dem Bavarian 24h ein weiteres bescheidenes Resultat eingefahren.

So balgten sich ATW Racing das GCD Bosch GTC Team und der MSC Oberflockenbach um Platz 3 in der Meisterschaft. Alle noch mit rechnerischen Möglichkeiten die aber nur theoretischer Natur waren.

Die finale Meisterschaftsentscheidung versprach Hochspannung. Doch das 12h Rennen war dann viel zu schnell entschieden. Honda Spirit kämpfte das ganze Wochenende mit dem Speed. Im Qualifying mit P3 noch dabei, zeigte der Rennverlauf ein anderes Bild. Man konnte das Tempo nicht mitgehen und schon vor der Halbzeit war klar, das wird nichts mit der Titelverteidigung. Bei der #22 brach der Rahmen welcher zunächst geschweißt wurde nur um das Kart später dann ganz abstellen zu müssen. ZAP #153 hingegen verließ sich auf das was sie am besten können. Schnelle Boxenstopps und keine Fehler machen. Obwohl die #153 im Zeitentableau mit 5 Zehntelsekunden Rückstand nur auf P13 auftauchte kämpften sie mit um den Laufsieg und gewannen am Ende in einem Fotofinish vor dem MSC Oberflockenbach.

Damit war der Kuchen gegessen. ZAP #153 schaffte den ersten GTC Titel bereits im 4.Anlauf oder nach 32 GTC Rennen. So schnell ging dies beim keinem anderen Team in den letzten 20 Jahren. Doch damit nicht genug. Der Rookie of the Year 2021 sammelten in diesen vier Jahren so viele Titel wie manch anderer Strafminuten. 2022 holte man sich den BEBA-Cup Sieg, 2023 dann die ADAC Trophy-Meisterschaft. Nur 2024 machte man eine Titelpause um in 2025 mit gleich drei Mannschaften in der GTC anzutreten. Solch eine Mammutaufgabe gelang einem Team selten in der GTC, geschweige denn so erfolgreich. Das Schwesterteam mit #154 startete in ADAC Trophy-Klasse und gewann die ersten 7 Läufe am Stück und wurde überlegen neuer ADAC Trophy-Champ. Dazu holte sich die #154 auch noch die GTC Junior-Trophy mit 5 Siegen bei 6 Rennen. In jeder Klasse wo ZAP 2025 antrat wurden sie damit auch Meister. Da lässt es sich verschmerzen das die dritte Mannschaft von ZAP#152 ein wahres Seuchenjahr in der Trophy erlebte. Erst im letzten Lauf in Liedolsheim sprang mit P2 das einzige Podium für die #152 raus. Für 2026 lässt das nun einiges erwarten. Kämpft ZAP gleich mit zwei Mannschaften um den GTC Titel? So etwas gab es in der GTC Geschichte auch noch nicht.

Bilder: C.Visser, R.Schneider, Jonas Sportmedia, Noah Nolte & GTC